Baden-Württemberg und Bayern beurteilen gemeinsam Ziegen

Ein weiterer Schritt zu einer einheitlichen Zuchtwertschätzung

Bild 1
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Dem Ziel einer gemeinsamen und einheitlichen Zuchtwert­schätzung zur Verbesserung der Zuchtleistung bei Ziegen sind Baden-Württemberg und Bayern wieder einen kleinen Schritt näher gekommen. Die Teilnehmer aus Baden- Württemberg: Zuchtleiter Dr. Johann-Georg Wenzler, die Fachberater Diana Nicolaus, Peter Dutt, Andreas Hertler und Dr. Ulrich Jaudas, Ziegenzuchtverband Baden-Württemberg e.V., Bernd Haug, Leiter der Geschäftsstelle, Ziegenzuchtverband Baden-Württemberg e.V., Dr. Henning Hamann, Tierzuchtreferent, Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden- Württemberg, Dr. Pera Herold, Vorsitzende des Ziegenzucht­verbandes Baden- Württemberg e.V. und Tierzuchtreferentin, Landesamt für Geoinformation und Landent­wicklung Baden-Württemberg, aus Bayern: Zuchtleiter Dr. Christian Mendel, Landesanstalt für Landwirtschaft, Grub und Vorsitzender des Landesverbandes Bayerischer Ziegenzüchter e.V. Rudolf Rogg.

Am 26. Juni 2012 wurden auf den Betrieben Nußlocher Ziegenkäsehof der Familie Schott/Kamann in Nußloch und Helmut Stöckl in Mannheim-Friedrichsfeld Ziegen beurteilt.

Auf dem Direktvermarkterbetrieb Schott/Kamann wurden Ziegen noch mit vollem Euter vor dem Melken beurteilt. Sehr schnell stellten sich bisher unterschiedliche Sichtweisen, Bewertungskriterien und Benotungen der Tiere heraus. Ziel dieses „Körtages“ war aber immer ein gemeinsames Bewertungsergebnis für jedes Tier zu finden und sich bei den künftigen Bewertungen diesem gemeinsamen Ziel zu nähern. (Bild 1)

Bild 2
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Betriebsleiter Joachim Kamann setzt neben Schwerpunkte auf Milchleistung, Inhaltsstoffe vor allem auf Tier- bzw. Eutergesundheit, sehr gute und zügige Melkbarkeit im Melkstand, Langlebigkeit und gute Charaktereigenschaften der Ziegen. Sehr gut erläuterte er die unterschiedlichen Euter- und Zitzenformen in Bezug auf das Maschinenmelken und stellte sehr klar und nachvollziehbar die Vor- und Nachteile aufgrund seiner langjährigen Erfahrung heraus.

Seine bevorzugten Euterformen wichen teilweise von den Beurteilungen der Körkommission etwas ab. Neu war für die „Körkommission“ ein Problem mit dem Euter und der Vererbbarkeit, das sie bisher so noch nicht kannte: Äußerlich oft nicht sichtbar tritt bei einigen Tieren seitlich zwischen Euterboden und Eutermitte Milch aus (siehe Foto), sobald die Zitze zugehalten wird und das Euter massiert wird. Dies habe laut Herrn Kamann negative Folgen für die Eutergesundheit und Zellzahlen, so dass er diese Tiere ausmerze.

Erschwert wird die Erkennbarkeit dieses Mankos auch noch dadurch, dass dies oft erst ab der dritten/vierten Laktation auftritt. Dies bedeutet auch einen großen wirtschaftlichen Verlust für den Betrieb, da sich die Ziegen zu diesem Zeitpunkt auf der Höhe der Jahresmilchleistungen befinden.

Herr Kamann appellierte an die Fachberatung, dies zumindest bei der Beurteilung der Bockmütter mit zu berücksichtigen und künftig zu prüfen. Alle Beteiligten waren sich einig, dass dieser Fehler künftig zu einem Ausschluss als Zuchttier führen soll, um die Verbreitung zu unterbinden. Von wissenschaftlicher Seite wird dieses Phänomen ebenfalls untersucht werden. (Bild 2)

Praxisnah konnte die Melkbarkeit der beurteilten Ziegen und deren Euter im Melkstand nachvollzogen werden.
Praxisnah konnte die Melkbarkeit der beurteilten Ziegen und deren Euter im Melkstand nachvollzogen werden.
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Ein weiterer Diskussionspunkt war die Farbgebung bei einzelnen Tieren und Nachzucht der Bunten Deutschen Edelziege (BDE). Hintergrund: Der Betrieb Schott/Kamann greift zur Zuchtverbesserung auch auf französische Genetik zurück, die über die künstliche Besamung im eigenen Betrieb eingesetzt wird. Aus dieser fallen auch andersfarbige – vor allem schwarze - Tiere, die der Rassebeschreibung der BDE klar widersprechen.

Der bayerische Vorsitzende war der Meinung, solche Tiere für die Zucht auszuschließen, da diese nicht dem Rassestandard entsprechen. Dies wird sicher noch länger Thema künftiger gemeinsamer Besprechungen werden. (Bild4 ==>)

Käsebuffet auf dem Nußlocher Ziegenkäsehof

Am Mittag endete die erste Beurteilungsrunde mit einem herrlichen Käsebuffet auf dem Nußlocher Ziegenkäsehof, der auch unsere Deutsche Fußballnationalmannschaft mit seinem Ziegenkäse belieferte.

Am Nachmittag wurden die Ziegen von Vorstandsmitglied Helmut Stöckl begutachtet. Diese waren in der Früh gemolken worden.

In hervorragender Verfassung präsentierte sich seine 11jährige BDE-Ziege in allen Punkten. Diese Ziege war auch der Maßstab für die Beurteilungsergebnisse aller nachher vorgestellten Tiere. (Bild 7und 8)

Bild 7und 8

Was am Vormittag schon diskutiert wurde, führte auch am Nachmittag zu weiteren Fragen, Gedanken und Anregungen und Vorschläge für die künftige Beurteilung.

Unter anderem:

  • Was ist noch ein Euter mit 6 Punkten? Wie unterschiedlich kann/darf ein Euter mit 6 Punkten noch sein?
  • Eine Note für die Euterbewertung ist wohl zu wenig. Aus wie viel Merkmalen und Noten soll sich künftig eine Euterbeurteilung zusammensetzen um die klarere Aussagen – auch für die Züchter und Käufer – treffen zu können?
  • Welche Strichlänge ist denn die ideale für das Handmelken und/oder das Maschinenmelken?
  • Wenn Züchter mit der Beurteilung einer (Bock)mutter nicht einverstanden sind: Würdest du gerne noch einen Bock aus dieser Linie für die Zucht einsetzen?
  • Würdest du gerne Jungziegen von dieser Ziege aufstellen?
  • Sollen/ müssen alle bewerteten Ziegen jedes Jahr nachgekört werden? Wenn Ziegen erst –Jahre- später Mängel aufzeigen, gehören sie aus der Herdbuchzucht genommen?
  • Kann die Forderung nach einem Minutengemelk der Bockmutter erfüllt und wie umgesetzt werden?
  • Baden-Württemberg hat eine eigene Herdbuchaufnahme der Jungziegen. Bayern (noch ?) nicht.
  • Was ist personell überhaupt machbar und was muss wegen mangelnder Kapazitäten Wunsch bleiben?
  • usw. ...
Bestens mit Kuchen/Kaffee und Brotzeit von der Familie Stöckl bewirtet wurde noch vieles lebhaft diskutiert.
Bestens mit Kuchen/Kaffee und Brotzeit von der Familie Stöckl bewirtet wurde noch vieles lebhaft diskutiert.

Fazit:

Es gibt noch vieles zu klären, abzustimmen, zu vereinbaren und zu definieren, in jedem Landesverband für sich, mit beiden Landesverbänden und es liegt noch ein weiter Weg zu einer gemeinsamen Zuchtverschätzung vor uns. Aber, da sind sich alle Beteiligten sicher, dieser Weg ist zu schaffen, das hat auch dieser Bewertungstag wieder gezeigt.
Die Stärke aller Teilnehmer liegt in dem offenen, fairen, durchaus auch kritischen, aber immer respektvollen Umgang miteinander für eine gemeinsame Sache: Einer gemeinsamen Zuchtwertschätzung für eine verbesserte Leistungszucht unserer Ziegen nach Jahren des Stillstandes!

Das nächste Treffen findet im Oktober auf Betrieben in Bayern statt. 2013 sollen dann auch die „ehrenamtlichen Richter“ in beiden Landesverbänden geschult werden.

Ein herzliches Dankeschön nochmals den Betrieben Schott/Kamann und Helmut Stöckl, die diesen Bewertungstag überhaupt erst ermöglichten und für ihre große Gastfreundschaft.

(Text/Bilder Rogg Rudolf)