Ein Wochenende im Zeichen der bayerischen Ziegenzucht

100 Jahre Ziegenzuchtvereinigung Mittelfranken e.V. – ein goldenes Jubiläum und ein schöner Anlass gemeinsam mit allen bayerischen Ziegenzüchtern und –freunden ein großes Fest zu feiern. Züchter aus ganz Bayern folgten der Einladung der mittelfränkischen Ziegenzüchter und brachten ihre besten Ziegen am letzten Juliwochenende in das fränkische Freilandmuseum nach Bad Windsheim. Am Samstag  stand die bayerische Landesschau auf dem Programm. Das Team rund um Vorstand Johannes Maibom hatte im Vorfeld ganze Arbeit geleistet. Alles war bestens vorbereitet und die Organisation lief von Beginn an bestens. Unter einem großen, luftigen Zeltdach waren die 130 angemeldeten Ziegen in großzügigen Buchten untergebracht und die Prämierung erfolgte in gut einsehbaren Ringen.  
Im Ring der Milchziegen hatten die beiden Richterinnen Dr. Pera Herold aus Baden-Württemberg und Dr. Regina Walter aus Sachsen die schwere Aufgabe unter der Vielzahl qualitativ hochwertiger Tiere die jeweiligen Klassensieger zu ermitteln. Unangefochtene Siegerin bei der Gruppe der Bunten Deutschen Edelziege wurde die siebenjährige Lolita aus der Zucht Hans Kern, Mitteleschenbach. Die dem helleren Schlag zugehörige, rahmige Ziege mit ihrem hervorragend angesetzten Euter konnte sich deutlich gegen die jüngeren Tiere durchsetzen. Unter diesen dominierte eine weitere Ziege von Hans Kern, die 2010 in Baden-Württemberg geborene Fee. Bei den älteren Weißen Deutschen Edelziegen konnte die mit Höchstnoten in der Euterbewertung versehene Agi von Züchter Werner Sauer, Arnstein, den Siegerpreis in Empfang nehmen. Unter den Ziegen jünger als zwei Jahre dominierte  eine in der Erstlaktation stehende Ziege aus dem Stall von Wolfgang Karrer, Woringen, die in allen Bewertungen Noten von 8 und besser erhielt. Als Champion aller vorgestellten Milchziegen der beiden Hauptrassen kürten die Richterinnen die Ziege Lolita von Hans Kern.
Mehr als fünfzig Tiere der immer beliebter werdenden Rasse der Burenziege stellten sich im Nachbarring den Richtern Josef Rebitzer und Matthias Frei aus der Schweiz. Nicht nur die Richter, auch das interessierte Fachpublikum zeigten sich erfreut über die gute Qualität, die von den Züchtern gezeigt wurde. In der Klasse der älteren Böcke präsentierte Bogo aus der Zucht von Johannes Maibom, Emskirchen und im Besitz von Herbert Bauer, Uffenheim das Zuchtziel der fleischbetonten Rasse im Ideal und konnte auch den Titel Rassesieger bei den Zuchtböcken erringen. Bei den Jungböcken erhielt diese Ehrung ein noch junger Bock von Johannes Maibom, der dreimal mit der Note 8 bewertet wurde. Bei den älteren Mutterziegen erhielt eine vierjährige Ziege von Konrad Kellner, Mengkofen Höchstnoten und konnte sich auch in der Gesamtwertung dieser Klasse gegen eine ebenfalls hervorragend bewertete Ziege von Herbert Bauer durchsetzen. Die Entscheidung bei den Jungziegen fiel eindeutig für ein hervorragendes Jungtier aus der Zucht von Bernd Pfarr, Kleinkahl das sich in dieser Klasse deutlich gegen eine Jungziege aus der Zucht Maibom durchsetzen konnte. Im krönenden Schlussring aller Siegertiere bei den Buren erhielt ebenfalls die Jungziege von Bernd Pfarr die höchste Bewertung und durfte den Titel Champion der Buren Landesschau 2011 mit nach Hause nehmen.
Neben den Hauptrassen wurden noch sieben weitere, zum Teil in ihrem Bestand gefährdete  Ziegenrassen gezeigt. Auch hier wurden die Rassesieger ermittelt. Den Titel bei den Anglo-Nubiern erhielt eine Jungziege von Günter Zill, Dietenhofen, bei den Thüringer Wald Ziegen ein bewährtes Muttertier aus der Zucht Jürgen Mareth, Ziertheim, bei den Holländer Schecken eine Jungziege von Wilfried Röck, Stinzendorf, und bei der in Österreich beheimateten Rasse der Tauernschecken eine Mutterziege von Martin Winter, Neuhaus. Bei den attraktiven Schweizer Gebirgsziegenrassen war eine erfreulich große Auswahl an Tieren zur Bewertung erschienen. Hier trumpfte bei den Pfauenziegen die schon prämierte Jungziege Hedwig aus der Zucht Johannes Maibom groß auf. Auch bei den Walliser Schwarzhalsziegen hatte ein Tier von Maibom die Nase vorne und bei den Bündner Strahlenziegen erhielt die Mutterziege Minna aus der Zucht vom Vorsitzenden des Landesverbandes Rudolf Rogg, Jengen den begehrten Siegerpreis.
Besonders eindrucksvoll präsentierten sich die Zuchtziegen im Wettbewerb der Züchter- und Familiensammlungen. Bei den Milchziegen konnten hier zwei hervorragende Sammlungen von  Wolfgang Karrer das nun vierköpfige Richtergremium voll überzeugen, so dass er hier mit je einem 1a und einem 1b Preis ausgezeichnet werden konnte. Bernd Pfarr stellte die beste Familiensammlung bei den Buren und erhielt aufgrund seiner hervorragenden Zucht aus der Hand von Ministerialrat Hans Klein die Züchtermedaille in Gold. Die Familiensammlung der attraktiven Walliser Schwarzhalsziegen von Johannes Maibom wurde in der Gruppe der kleineren Rassen mit 1 a prämiert.
In einem sehr schönen Schlussbild präsentierten sich die verschiedenen Züchtersammlungen noch einmal im großen Rund den zahlreichen interessierten Besuchern. Der Leiter des Referates Schaf- und Kleintierzucht im Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Hans Klein überreichte  bei der Gelegenheit in Anerkennung der züchterischen Leistungen die Züchtermedaillen in Silber an Wolfgang Karrer und Johannes Maibom, sowie in Bronze an Hans Kern, Jürgen Mareth, Werner Sauer und Herbert Bauer.  
Die Veranstaltung in Bad Windsheim kann – auch in Verbindung mit dem Bockmarkt - getrost als große Werbung für die bayerische Ziegenzucht bezeichnet werden und es bleibt zu hoffen, dass auch bei den nächsten Landesschauen so viele hervorragende Zuchttiere von ihren engagierten Züchtern vorgestellt werden.

(Andrea Kaufmann,August 2011)

Bildergalerie vom Bockmarkt und der Landesziegenschau

Bockmarkt am Sonntag, 31.Juli 2011– Premiere in Bad Windsheim

Vor viel Publikum fand erstmals im Freilichtmuseum Bad Windsheim der Bayerische Ziegenbock Markt statt. Während bei den Böcken der Milchrassen der Marktverlauf eher unbefriedigend ausfiel, konnten die aufgetriebenen Burenböcke zum Großteil neue Besitzer finden. Um den 1a Burenbock aus der Zucht von Daniel Stief entbrannte ein regelrechtes Bieterduell, das erst bei einem Zuschlagpreis von 1020 Euro entschieden wurde. Erstmals wurde in diesem Jahr der Dietlind v. Sommerfeld-Wanderpreis für den besten Bock der Milchziegenrassen vergeben.

 

Vorab unter den Ausschussmitgliedern des Landesverbandes Bayerischer Ziegenzüchter e.V. heiß diskutiert, wagte man es, anlässlich des mittelfränkischen Jubiläumswochenendes in Bad Windsheim den alljährlichen Bockmarkt auf einen Sonntag zu verlegen. Dies nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass potentielle Käufer im Rahmen der Landesschau hier hervorragende Vergleichmöglichkeiten, auch der jeweiligen Muttertiere  vorfanden. Außerdem hoffte man, dass gerade die Ziegenmilcherzeuger vielleicht an einem Sonntag eher Zeit finden, sich aus einer Auswahl hervorragender junger Zuchttiere ihren neuen Deckbock auswählen zu können. Diese Hoffnung erfüllte sich leider nur teilweise. Von 25 aufgetriebenen Böcken der Rasse Bunte Deutsche Edelziege verließen 15 den Ring ohne Gebot. Der Durchschnittspreis der versteigerten Böcke der Zuchtwertklasse I lag bei 384 Euro, wobei das Höchstgebot von 640 Euro auf den durchgehend mit der Note 8 bewerteten Ib-Bock aus der Zucht von Konrad Knörr fiel. Nur fünf Böcke umfasste das Angebot der Weißen Deutschen Edelziege, wovon vier Stück mit Wertklasse I bewertete Tiere einen neuen Besitzer fanden. Der Durchschnittspreis von 315 Euro konnte dabei aber – im Vergleich zu Bockmärkten der benachbarten Länder – nicht befriedigen. Weibliche  Tiere der Milchziegenrassen wurden ebenfalls nur verhalten nachgefragt. Vor Beginn der Versteigerung fiel dann noch die Entscheidung, welcher der Züchter der beiden mit Ia prämierten Böcke den erstmals vergebenen Wanderehrenpreis aus der Hand der langjährigen Geschäftsführerin des Bayerischen Landesverbandes Dietlind von Sommerfeld in Empfang nehmen durfte. Die Entscheidung fiel eindeutig für die Katalognummer 1, einem wunderbaren Vertreter der Rasse Bunte Deutsche Edelziege aus der Zucht der ZZV Steinfeld unter Leitung von Rudi Hock.

Im Vergleich dazu nahm der Markt der Fleischziegen einen flotten Verlauf. Elf der fünfzehn zum Verkauf stehenden Burenböcke konnten zu zufrieden stellenden Preisen an den Mann bzw. an die  Frau gebracht werden. Auktionator Gerhard Mendel, der mit viel Fachwissen und einer gehörigen Portion Humor erstmals dieses Amt wahrnahm, durfte sich beim Ia Bock aus der Zucht von Daniel Stief über zahlreiche Gebote freuen. Erst bei 1020 Euro fiel der imaginäre Hammer für den stark bemuskelten, mustergültig herausgebrachten Burenbock, der sein Gras in Zukunft in Rheinland-Pfalz fressen wird. Der Durchschnittspreis für die verkauften Böcke belief sich auf zufrieden stellende 394 Euro. Weibliche Burenziegen wurden auch hier nur verhalten nachgefragt. Der einzige zur Versteigerung stehende Walliser Schwarzhals Bock erzielte 280 Euro, wogegen der Thüringer Wald Ziegenbock kein Gebot erhielt.

 

Auch wenn man aufgrund der großen Zuschauerzahl doch von einem Erfolg der Veranstaltung vor allem in Hinblick auf Werbung für die Ziegenzucht sprechen kann, so bleiben doch einmal mehr genug Fragezeichen zurück. „Trotz gesteigertem Angebot an züchterisch äußerst wertvollen Zuchtböcken lässt die Nachfrage nach und auch die Steigerungspreise fallen in den Keller und decken oft kaum noch die Aufzuchtkosten der Jungböcke, die Arbeitsstunden noch nicht einmal eingerechnet“ , resümiert Landesverbandvorsitzender Rudolf Rogg, auch angesichts der ebenfalls unbefriedigenden Auktionsverläufe der benachbarten Märkte in Baden-Württemberg und Hessen. Gerade bei den Milchziegenrassen ist der Trend sich über die Märkte mit guten Zuchttieren zu versorgen, stark rückläufig. Es wäre schade, wenn aufgrund dieser für alle Seiten unbefriedigenden Vermarktungssituation wertvolle Zuchttiere in Zukunft der Landeszucht verloren gingen. Vielen Züchter, die oft schon über Jahrzehnte strenge Selektion betreiben, um gerade für die Melkbetriebe hervorragende Jungböcke liefern zu können, sehen sich immer mehr enttäuscht über die mangelnde Nachfrage, gerade der großen Betriebe. Es wäre keinem zu verübeln, wenn er sich den Aufwand für die Bockmärkte in Zukunft ersparen würde. Welchen Schaden diese Entwicklung aber auf die Qualität der Zuchttiere nehmen wird, kann erst die Zukunft zeigen. Der bayerische Landesverband sieht diesen Trend mit großer Sorge, so dass man sich die Worte des Vorsitzenden Rudolf Rogg im Sinne der Ziegenzucht zu Herzen nehmen sollte: „Künftige Zuchtwertschätzungen von Tieren können eine Alternative zum Zuchtfortschritt sein. Aber ohne jährliche Bockmärkte mit einer großen Anzahl guter angebotener Tiere geht es nicht. Und jeder Ziegenhalter, egal ob kleiner Zuchtbetrieb oder Milchlieferant mit einem großen Bestand sollte diese Chance nutzen!! Nur eine breite Zuchtbasis mit guten Ausgangstieren fördert und sichert den Fortschritt in der Ziegenzucht!!“

 (Andrea Kaufmann, August 2011)

100 Jahre Ziegenzuchtvereinigung Mittelfranken e.V.

Wer erfahren will, was die Ziegenzucht mit der industriellen Revolution zur Zeit der vorletzten Jahrhundertwende zu tun hat, sollte sich die Chronik der Ziegenzuchtvereinigung Mittelfranken e.V. zu Gemüte führen. Vorstand Johannes Maibom hat anlässlich des hundertjährigen Jubiläums zusammen mit Ingrid Knörr in akribischer Kleinarbeit die Vereinsgeschichte zusammengefasst. So erfährt man zum Beispiel, dass die Haltung von Ziegen zur Gründungszeit nicht auf das Land beschränkt war, vielmehr viele Ziegen zur Ernährung der Arbeiterschicht ihre Heimat in den Städten fanden. Um die Zucht zu verbessern, wurde schließlich 1911 unter großer Anteilnahme auch der Obrigkeit der Verband mittelfränkischer Ziegenzüchter in Nürnberg gegründet. Dank der umsichtigen und gewissenhaften Verbandsführung und dem ausführlichen Archiv konnte die Entwicklung der Ziegenhaltung mit allen Aufs und Abs, mit allen Persönlichkeiten, großen und kleinen Anekdoten fast lückenlos zusammengestellt werden. Um das Jubiläum schließlich gebührend zu feiern, wurde mit dem Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim ein würdiger und auch passender Rahmen ausgewählt. Neben Landesschau und Bockmarkt erwartete die Jubiläumsbesucher ein bunter Festabend im Alten Bauhof des Museums. Neben vielen Ziegenzüchtern und Interessenten waren auch zahlreiche Ehrengäste der Einladung gefolgt. Neben Ministerialrat Hans Klein, Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, hatten sich unter anderem Zuchtleiter Dr. Christian Mendel mit einigen der bayerischen Fachberater unter die Ziegenzüchter aus nahezu allen bayerischen Bezirken gesellt. Mit zünftiger Blasmusik und schwungvollen Vorführungen der Volkstanzgruppe Ansbach sowie einem reichhaltigen Buffet, natürlich auch mit Ziegenspezialitäten, war für beste Stimmung gesorgt. Lebendig und mit viel Idealismus vorgetragen, ließ Johannes Maibom die 100 Jahre Vereinsgeschichte mit herrlichen Bildern Revue passieren *). Fast zu jeder Anekdote gab es auch eine besondere Person zu erwähnen und wenn diese anwesend war, dann wurde sie vom Vorsitzenden ans Rednerpult gebeten. Vom ehemaligen Tierzuchtleiter Dr. Josef Däubler, der sich in seiner Amtszeit immens für die Ziegenzucht eingesetzt hat über verdiente Züchter wie Konrad Knörr, Zill Günther oder Willi Röck bis hin zum ersten Direktvermarkter mit Ziegenkäse in Mittelfranken Heinz Schober und der langjährigen Vorsitzenden Gertrud Hufnagel  oder Rudolf Raith, der als Leiter der Lehrmolkerei in Triesdorf  die Verarbeitung von Ziegenmilch in Franken eingeführt hat, jeder hatte etwas zu seinen Erfahrungen mit den liebenswerten Meckerern und ihren Menschen zu erzählen. Unvergessen für viele ältere Ziegenzüchter auch die Geschichten über die „Annemirl“, die für ihre „Wunderziegen“ sogar vom ehemaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke ausgezeichnet wurde.
Johannes Maibom verstand es an diesem Abend hervorragend seine Gäste mit einer lebendigen Geschichte der Ziegenzucht und –haltung in Mittelfranken von Beginn des 20.Jahrhunderts bis heute zu unterhalten.(Wiederholung ?? siehe*) Vom Ernährer nicht so wohlhabender Bevölkerungsschichten bis hin zum modernen Landschaftspfleger und Lieferant wertvoller Grundnahrungsmittel  hat die Ziege bis heute seine Nische in der landwirtschaftlichen Produktion halten können, wenn auch nur im kleinen Rahmen. Die gelungene Jubiläumsveranstaltung eines engagierten Regionalverbandes bot auf jeden Fall wieder Anlass, die Ziegenzucht hier in Bayern auf gar keinen Fall abzuschreiben. Vielmehr sind es gerade die vielen jungen begeisterten Züchter, die das Fortbestehen der Ziege als landwirtschaftliches Nutztier mit Seele pflegen. und auch weiterhin den Aufwärtstrend erkennen lassen. Ziegen und ihre regionale Produkte sind wieder „in“!

Anlage

Kalahari Red, Anglo-Nubier und Co

Aus dem Magazin Geflügel-Börse 19/2011 (Geflügel-Börse, eine Fachzeitschrift mit vielen interssanten Artikeln auch für den Ziegenhalter).