Die Bedrohung auf der Weide: Der Rote Magenwurm

Durch das Herunterziehen des Augenlides wird die Bindehaut ersichtlich.

Seit dem Frühjahr grasen viele Ziegen auf der Weide. Mit der Aufnahme von Gras infizieren sich die Tiere mit Magen-Darm- Würmern. Besonders der Rote Magenwurm (lat. Haemonchus contortus) besitzt eine hohe Schadwirkung für Kitze und Ziegen. Er saugt sich an der Wand des Labmagens fest und ernährt sich von Blut. Über 1.000 Würmer führen zu einem Blutverlust von 50 ml täglich. Ein Roter Magenwurm legt bis zu 10.000 Eier am Tag. Diese werden mit dem Kot ausgeschieden und kontaminieren damit wieder die Weide. Befallene Ziegen magern ab und wachsen schlecht. Durchfall tritt nicht immer auf. In melkenden Betrieben bemerkt man einen Milchrückgang. Bei sehr starkem Befall kommt es zu Todesfällen. Die Blutarmut lässt sich an der Bindehaut des Auges beurteilen. Mit dem Herunterziehen des unteren Augenlides wird die Bindehaut ersichtlich (siehe Bild). Bei einer gesunden Ziege ist diese rosa-rot. Bei einer Ziege mit Blutarmut ist die Bindehaut blass-rosa und im Extremfall sogar porzellanweiß. Bereits vor Ort kann durch diese einfache Untersuchung die Befallsstärke mit dem Roten Magenwurm annährend eingeschätzt werden.

Zusätzlich können sich Ziegen auch mit anderen Magen-Darm-Würmern sowie Lungenwürmern und Leberegeln infizieren. Deshalb ist eine regelmäßige Kotuntersuchung unerlässlich. Abhängig vom Bestand können Einzelkotproben oder Sammelkotproben untersucht werden. Dabei sollte eine Sammelkotprobe von mindestens drei bis fünf Tieren stammen. Aufgrund der unterschiedlichen Ausscheidungsintensität ist es sinnvoll Untersuchungen nach Altersgruppen (Böcke, Altziegen, Jungziegen, Kitze) sowie nach Leistungsgruppen (Laktation, Trocken, etc.) vorzunehmen. Der Kot sollte entweder direkt aus dem After oder frisch vom Boden ohne Beimengungen entnommen werden. Befunde und Behandlungen sollten dann mit dem Haustierarzt besprochen werden. Für die Behandlung von Ziegen gibt es in Deutschland kein zugelassenes Entwurmungsmittel. Die Umwidmung von Schafmedikamenten führt zur einer Verlängerung der Wartezeit (Milch: mind. 7 Tage, Fleisch: mind. 28 Tage, Bio-Betriebe doppelte Wartezeit!). Ziegen verstoffwechseln Entwurmungsmittel schneller als Schafe, deswegen sollte grundsätzlich die doppelte Schafdosis verwendet werden. Ausnahme sind Entwurmungsmittel welche den Wirkstoff Levamisol beinhalten. Diese sollten nur in 1,5-facher Schafdosis angewendet werden, um Nebenwirkungen zu vermeiden. Der Erfolg der Entwurmung sollte hin und wieder mit Kontrollkotproben nach der Behandlung kontrolliert werden. Resistenzen werden dadurch frühzeitig erkannt.

Eine Infektion mit Parasiten lässt sich bei der Weidehaltung nicht verhindern. Jedoch gibt es verschiedene Massnahmen um den Infektionsdruck zu minimieren. Nach der Beweidung sollten sogenannte Geilstellen ausgemäht und das Gras abtransportiert werden. In diesen Geilstellen können die Wurmlarven längere Zeit auf der Weide überleben. Werden diese entfernt, sind die Wurmlarven vor Austrocknung und UV-Licht ungeschützt und werden dadurch zerstört. Gleiches gilt für die anschließende Benutzung von Weiden zur Heu- bzw. Silagegewinnung. Das Auszäunen von Feuchtgebieten in der Weide minimiert ebenfalls das Infektionsrisiko.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine Infektion mit dem Roten Magenwurm zu enormen gesundheitlichen Schäden führt, bis hin zum Tod der Ziege. Der Infektionsdruck lässt sich durch verschiedene Weidemaßnahmen reduzieren. Durch regelmäßige Kotuntersuchungen kann der Ziegenhalter das Risiko besser einschätzen und gezielt behandeln.

Kotproben können beim TGD Bayern e. V. untersucht und anschließend mit dem zuständigen Tierarzt/Tierärztin besprochen werden. Ein entsprechendes Untersuchungsformular finden Sie unter:
www.tgd-bayern.de >Downloads > allgemein > Untersuchungsantrag für Kotproben im Schafgesundheitsdienst.
Alternativ können auf Anfrage (siehe Kontaktdaten) Untersuchungsformulare auch direkt zu geschickt werden.

Autor: Dr. Benjamin Bauer, Schafgesundheitsdienst Schwandorf