Verband Oberbayerischer Ziegenzüchter und -halter e.V

Geschichte des Verbands oberbayerischer Ziegenzüchter

Ziegenherde beim Almabtrieb in Mittenwald
Almabtrieb in Mittenwald

Am 16. Januar 1921 fanden sich im „Haus der Landwirte“ in München zahlreiche Vertreter von seinerzeit schon bestehenden örtlichen Ziegen- und Kleintierzuchtvereinen mit Tierzuchtinspektoren, Bezirkstierärzten, Landwirtschaftsräten und Herren des Landwirtschaftsministeriums und der Bauernkammer zusammen, um nach langen und heftigen Debatten den Verband der oberbayerischen Ziegenzüchter zu gründen. In Oberbayern gab es damals 27216 Ziegen.
20 Ziegenzuchtvereine mit über 2000 Mitglieder, 1 Einzelzüchter,  10 Gemeinden und 1 Industrieller traten im Gündungsjahr dem Verband bei. Auch der Kleintierzuchtverein Mühldorf und der Ziegenzuchtverein Neu/-Altötting wurden bereits 1923 Mitglieder.
Der höchste Mitgliederstand war ein Jahr später mit 39 Vereinen, 1 Einzelmitglied und zahlreichen Körperschaften zu verzeichnen. Im Besitze von ca. 4000 Mitgliedern waren damals rund 10.000 Ziegen, das dürfte etwa 1/3 des gesamten oberbayerischen Ziegenbestandes gewesen sein. Einen neuen zahlenmäßigen Höchststand erreichte die oberbayerische Ziegenzucht und der Verband in den Kriegsjahren 1941/42. Die organisierten Ziegenzüchter von Oberbayern waren damals in 54 Ziegenzuchtgenossenschaften, 22 Bockhaltungsgenossenschaften und 2 Bezirksbockhaltungsverbänden zusammengeschlossen.
Außerdem wurdn 12 Einzelzüchter betreut.
Im Herdbuch waren 1146 Ziegen eingetragen. Die durchschnittliche Jahresleistung der kontrollierten Tiere betrug damals 686 kg Milch 22, 4 kg. Fett und 3, 24 % Fett.

Mit Beginn des wirtschaftlichen Aufschwungs nach der Währungsreform verlor jedoch die Ziegenhaltung, die jahrelang zur Ernährungssicherung beigetragen hatte, immer mehr an Bedeutung. Ein immer stärkerer Rückgang der Zahl an Ziegenhaltern und Ziegen war in den vergangenen 20 Jahren nicht aufzuhalten. Auch der Verband hatte darunter zu leiden, ein Verein nach dem anderen löste sich auf. Die Zahl der Herdbuchtiere sank in den letzten Jahren unter 100. Doch mit dem zahlenmäßigen Rückgang war eine ständige Verbesserung der Leistungen verbunden.

So betrug im Jahre 1970 die Verbandsdurchschnittleistung je Ziege 1032 kg Milch, 38,3 kg Fett, 3,72 % Fett.

Während im Jahre 1950 in Oberbayern rund 28000 Ziegen vorhanden waren, betrug der Ziegenstand bei der letzten Zählung am 03. Dezember 1970 nur noch 1842 Stück.

Umso erfreulicher und anerkennenswerter ist es, dass ein Stamm von alten, erfolgreichen  Züchtern und Bockhaltungen dem Verband auch heute noch die Treue hält und die züchterischen Bestrebungen, vor allem hinsichtlich des Exportes voll unterstützt. Als eines der Hauptzuchtgebiete Oberbayerns darf heute noch der Raum Mühldorf angesprochen werden. Dies hat die Verbandsleitung auch bewogen, die Feier des 50jährigen Jubiläums in Mühldorf, in Verbindung mit einer Bezirksziegenschau, abzuhalten.

Am Samstag, den 12. Juni (1971) werden auf dem Gelände der Tierzuchthalle Mühldorf aus den Landkreisen Altötting und Mühldorf 3 Böcke und 18 Herdbuchziegen einer öffentlichen Prämierung unterstellt. Um 10.00 Uhr beginnt dort das Preisrichten und um 11.15 Uhr erstattet Herr Min.Rat i.R. L. Otto – München die Schaukritik. Am Nachmittag finden sich dann die Verbandsmitglieder zu einer Festversammlung im Gasthof Schwaigerkeller zusammen.

Mit Beginn des landwirtschaftlichen Aufschwungs nach der Währungsreform verlor jedoch die Ziegenhaltung, die jahrelang zur Ernährungssicherung beigetragen hatte, an Bedeutung.

Ein Rückgang der Zahl an Ziegenhalten und Ziegen war bis Mitte der 70-er Jahre nicht aufzuhalten (siehe Tabelle 1).

Tab.1: Ziegenbestand in Oberbayern
1921 27.000
1950 28.000
1970 1.800
1977 1.700
1990 ca. 7.000

Seit der letzten offiziellen Viehzählung im Jahre 1977 nimmt die Ziegenhaltung wieder kontinuierlich zu. Die Ziege kommt heute mit ihren vielseitigen Nutzungsmöglichkeiten dem Trend zur aktiven Freizeitgestaltung und zur Selbstversorgung mit hochwertigen Nahrungsmitteln bekannter Herkunft besonders entgegen.

In vielen Notjahren war die Ziege ein wertvoller Nahrungslieferant für die arme Bevölkerung. Heute dagegen belegt die Ziegenhaltung eine qualitaitiv anspruchvolle Lebensauffassung und Lebensweise.

Tab.2: Mitgliederstand
  Mitglieder Herdbuchzüchter Vereine
1970 118 87 9
1980 58 10 2
1990 115 32 2

Der Mitgliederstand konnte sich in den letzten 10 Jahren verdoppeln und ereicht beinahe wieder das Niveau von 1970 (siehe Tab. 2). Besonders erfreulich ist die Zunahme auf 32 Herdbuchzüchter, wodurch wieder eine aktive Zuchtarbeit möglich ist. Als Höhepunkt der züchterischen Arbeit werden jedes Jahr Mitte August die besten Jungböcke aus dem südbayerischen Raum in Ingolstadt gekört und versteigert.

Tab. 3: Bestand an Herdbuchziegen
  BDE WDE Buren Anglo-Nubier insgesamt
1980 41       41
1990 598 121 8 9 736

In den letzten Jahren ist  eine starke Bestandsaufstockung zu beobachten. Die 736 Herdbuchziegen (siehe Ta.3) verteile sich auf 32 Züchter, so dass im Durchschnitt jeder Betrieb 23 Ziegen hält. Im Vergleich dazu wurden 1980 lediglich 4 Ziegen pro Betrieb gehalten. Außerdem werden heute neben der  Bunten Deutschen  Edelziege auch die Weiße Deutsche Edelziege, die Anglo-Nubier und die Buren als Fleischziegenrasse  herdbuchmäßig erfasst.

Tab. 4: Milchleistung der oberbayerischen Ziegen
  kontrollierte Ziegen Milchmenge Fettmenge Fett % Eiweißmenge Eiweiß %
1970 62 1032 38,3 3,72 - -
1980 53 876 30,4 3,47 25,0 2,85
1990 765 675 22,4 3,33 20,2 2,99

Entgegen dem allgemeinen Trend in der Landwirtschaft kam es in der Ziegenhaltung zu einer deutlichen  Leistungssteigerung  im Laufe der letzten 20 Jahre  (siehe Tab. 4). Als eine Ursache hierfür ist die starke Aufstockung der Bestände und die dadurch fehlende Selektion aufzuführen. Der Hauptgrund ist allerdings die Umstellung vieler Betriebe auf eine ökologisch ausgerichtete Landbewirtschaftung und der weitgehende Verzicht auf Zufütterung von Kraftfutter.

In ganz Oberbayern erzielen heute wieder knapp 10 Betriebe ihr Einkommen überwiegend aus der Ziegenhaltung. Ein wichtiger Beitrag hierbei zur allgemeinen Förderung der Ziegenzucht ist die vom Bayerischen Staatsministerium für Ernähung, Landwirtschaft und Forsten gezahlte Haltungs- und Aufzuchtprämie sowie die Ankaufsbeihilfe.