Verband schwäbischer Ziegenzüchter und –halter e.V.

Geschichte des Verband schwäbischer Ziegenzüchter und- halter e.V.

Wappen: Verband schwäbischer Ziegenzüchter und –halter e.V.

Rückblickend auf die Verbandsgeschichte, des Verband schwäbischer Ziegenzüchter und- halter e.V., gab es in Schwaben um 1900 eine Vielzahl von Vereinen und Verbänden. Die Anregungen für die Gründung eines Verbandes reichen weit zurück. Bereits 1914 sollte die Gründung des Verbandes erfolgen, was der 1 .Weltkrieg jedoch verhinderte.
Unser Verband wurde am 19. Dezember 1920 in Augsburg im Gasthaus zum Brunnthal gegründet. In den ersten Jahren legten die Mitglieder größten Wert darauf ein gemeinsames Zuchtziel zu erreichen (… Verdrängung des Mischmasches ...), sich verbilligte Futtermittel zu beschaffen und die Überlassung von Gras- und Weideplätzen, die in den Städten größten Teils in den Händen der Kommunen und der Industrie lagen, einzufordern. Bis nach dem 2. Weltkrieg galt es mit Hilfe der Ziegen die Nahrungsgrundlage für die Bevölkerung sicherzustellen. So wurden z.B. allein vom damaligen Bezirksverband Augsburg im Jahre 1921 1.122 Ziegen gehalten, die 419.355 Liter Milch erzeugten. Neben der Versorgung der eigenen Familien konnten die Augsburger noch für vierhundert Personen das Nahrungsmittel Milch sichern.

Ziegentransport mit dem Fahrrad

Gegenüber dem Ziegenbestand von 1913 gab es in den einzelnen Vereinen bis 1921 Zuwächse um bis zu 439,7 %: „Die Kuh des kleinen Mannes“.
Im Dezember 1921 umfaßte der neue Verband bereits 35 Vereine und Genossenschaften mit 1715 Mitgliedern, 4627 Ziegen und 56 Vereinsböcken. 21 Vereine züchteten die Saanenziege und 14 Vereine die rehfarbige Schwarzwaldziege (siehe Festschrift „75 Jahre Verband schwäbischer Ziegenzüchter“ Seite 13/14).
1923 waren bereits 54 Vereine und Genossenschaften Mitglied im neuen Verband. Man war stolz auf die Leistung und stellte fest: ... „Diese Zahlen zeigen ganz deutlich, daß die Ziegenhaltung besonders in den größeren Städten bei dem Mangel an Milch gerade für das heranwachsende Geschlecht von großem volkswirtschaftlichen Nutzen ist ...“ 1929 war für die Ziegenzüchter ein Problemjahr.

Bockschießen des Verbands schwäbischer Ziegenzüchter

Viele hatten mit den Maul- und Klauenseuche zu kämpfen und mit der großen Trockenheit, die zusätzlich dazu zwang, Tiere schlecht zu füttern oder einen Teil der Ziegen abzugeben. Der Höchststand der Ziegen, die jemals in Schwaben gezählt wurden, war 1923: 20.745 (1913 waren es noch 11.506). Danach gingen die Ziegenzahlen kontinuierlich zurück. Der damalige Vorsitzende Dr. Mayr begründete dies u.a. damit: ... „Die moderne Jugend im Zeichen des Jazzbandfiebers und des Charleston, des Bubikopfes und des Seidenstrumpfes will von der Arbeit im Ziegenstalle nichts mehr wissen ...“. Gleichzeitig stellte der Vorsitzende aber auch fest, daß die Zahl der Ziegen zwar zurückgegangen sei, die Leistungen der einzelnen Ziegen sich aber wesentlich verbessert habe ... . In den Anfangsjahren gestaltete sich die Körung und die Einführung der Herdbuchführung problematisch. Eine einheitliche Grundlage mußte erst geschaffen werden.

Melcken an der Junliäumsschau Diepolz

1923 fanden Ziegenausstellungen in Neu-Ulm, Vöhrigen und Mindelheim statt.
1925 wurden vom Verband original Schweizer Saanenziegen eingeführt und festgelegt, da die rehfarbige Schwarzwaldziege gefördert wird.
1925 traten vereinzelt schon Milchleistungen von über 1000 bzw. über 1300 Liter Milch auf.

Jugendliche für die Ziegenzucht zu begeistern - eine der Schwerpunkte der Verbandsarbeit

Ab dem Jahr 1934 bis zur Wiedergründungsversammlung sind keine Aufzeich­nungen vorhanden. Der Verband Schwäbischer Ziegenzüchter teilte das Schicksal wie viele andere Tierzuchtorganisationen: er wurde dem Reichsnährstand angegliedert. Am 03. März 1948 erfolgte die Wiedergründungsversammlung in der Gaststätte zum Bayerischen Hof, Augsburg.
1951 erreichte die Herdbuchziege Metta 288S 1774 kg Milch bei 63,17 kg Fett.
Die Mitgliederzahl betrug in unseren Verband 1970 122, davon 29 Herdbuchzüchter, registrierte Ziegen 1712.
Den tiefsten Mitgliederstand hatte unser Verband um 1985. Lediglich 45 Personen konnten noch verzeichnet werden. Der Fortbestand war und ist unbestritten der Verdienst unserer „alten Mitglieder“, die in dieser schwierigen Zeit die Treue zum Verband hielten und somit die Zukunft des Verbandes sicherten.

Ziegenschau

Am 28. Juni 1998 holte unser Verband die Jubiläumsschau zum 75jährigen Bestehen in der Schwabenhalle Buchloe nach. Festgottesdienst mit Blasmusik, Vorführungen der verschiedensten Rassen durch unsere Jugend und viele Besucher prägten diesen Tag.
Im Mai 1999 gab sich unser Verband eine neue Satzung, nachdem der Landesverband Bayerischer Ziegenzüchter e.V. ab 1999 die Zuchtbuchführung auf staatliche Anweisung für alle 6 Bezirksverbände übernommen hatte und die Zusammenlegung der Bezirksverbände zu einem großen Landesverband vehement - vor allem von den Schwaben - abgelehnt worden war.

Vom Ries im Norden bis ins Allgäu im Süden. Von der Iller zum Bodensee zum Lech bzw. zu den Lechrain, steh`n unsere Ziegen.

Heute können wir mit Freude feststellen, daß zu unserem Verband immer wieder neue Mitglieder stoßen, die Tiere züchten und halten. Die Ziege hat in unserer modernen Welt ihren festen Stellenplatz. Es finden sich immer wieder Menschen, die sich aus den verschiedensten Gründen mit Ziegen beschäftigen (Vollerwerb, Nebenerwerb, Milchlieferung, Hofvermarktung, Landschaftspflege, Versorgung für den Eigenbedarf, Rasseerhalt, Zucht, Freizeitbeschäftigung).

Unsere Mitgliederzahl bewegt sich mit kleinen Schwankungen um die 100.