Ziegenzuchtverband Unterfranken e.V.

Geschichte des Verband unterfränkischer Ziegenzüchter

Gegründet am 23. November 1913 in Würzburg

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Die Ziegenzucht hatte im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert einen raschen Aufschwung erlebt. So wurden im Regierungsbezirk Unterfranken im Jahre 1810 17.166 Ziegen gehalten; die Zahl hatte sich mit 35.785 Ziegen im Jahr 1863 verdoppelt und erreichte nach 79.221 Tieren 1914 im Jahr 1923 mit 105.221 Tieren ihren Höhepunkt.

Besonders ziegenreich waren 1925 die Kreise Würzburg mit 10.965, Schweinfurt mit 7.550 und Kitzingen mit 7.123 Milchziegen. Als ziegenreichste Gemeinde in ganz Bayern wurde die Marktgemeinde Rimpar bei Würzburg erwähnt. Dort wurden bei 2.929 Einwohnern 912 Ziegen gehalten - eine Milchziege pro 3 Einwohner. Die gemeindliche Regiehaltung verfügte über die stattliche Anzahl von 12 Ziegenböcken!

Bocknachzuchtsammlung Wildling; Ziegenschau 1950 Rannungen
Ziegenschau 1950 Rannungen

Einen weiteren Aufschwung verzeichnete die Ziegenzucht in den Notzeiten nach dem 2. Weltkrieg. 1950 waren in Unterfranken 63.752 Ziegen registriert. Mit steigendem Wohlstand waren die Haltungen jedoch schnell rückläufig: 1955 22.472 Halter mit 38.429 Ziegen; 1960 9.792 Halter mit 16.403 Ziegen; 1965 3.079Halter mit 5.266 Ziegen und 1970 1.118 Halter mit 2.037 Ziegen. 1973 wurde die amtliche Viehzählung für Ziegenbestände eingestellt. Der Aufschwung der Ziegenhaltung ab Mitte der 80er Jahre ist deshalb nicht dokumentiert. Nach Schätzungen dürften heute in Unterfranken rund 5.000 Ziegen gehalten werden. In den Unterlagen der Landwirtschaftsverwaltung stehen 2009 in 358 landwirtschaftlichen Betrieben 3.370 Ziegen.

Bock U 2230 Wildling, Pfersdorf
Bock U 2230 Wildling, Pfersdorf

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wurde in Unterfranken keine planmäßige Ziegenzucht betrieben. Nach den Berichten der Amtstierärzte traf man Ziegen aller Formen und Farben nebeneinander; gehörnte neben hornlosen, zottelige neben kurzhaarigen, mausohrige neben langohrigen, weiße, schwarze, scheckige, graumelierte, rehfarbige mit und ohne Aalstrich, mit hellem und mit schwarzem Bauch und Beinen. Die Vielfalt wurde durch die farblichen Vorlieben der Bockhalter und die immer wieder vorgenommenen - meist planlosen - Einkreuzungen von Böcken aus Hessen, Thüringen, dem Schwarzwald und der Schweiz geprägt.

Der vorwiegend in Hessen aktive „Vater der Ziegenzucht", Christian Dettweiler, brachte um 1890 50 weiße Ziegen aus der Schweiz auf das Universitätsgut Gieshügel bei Würzburg. Diese Zucht wurde jedoch durch einen Maul- und Klauenseuchenzug wieder vernichtet.

Ein zweiter Anlauf für den Start einer planmäßigen Zucht erfolgte im Jahre 1900 durch die Gründung einer Ziegenzuchtstation auf den Gut Dreistelzhof bei Brückenau durch den damaligen Tierzuchtinspektor Bayerns, Dr. Vogel.

Bocknachzuchtsammlung 1955 (Vater nicht mehr bekannt)
Bocknachzuchtsammlung 1955

Ab 1908 begann die Gründung der Ziegenzuchtvereine zuerst in Münnerstadt, 1912 in Volkach. Dann folgten Rannungen, Ochsenfurt, Winterhausen, Eibelstadt, Prosselsheim, Forst, Arnstein, Euerdorf, Hammelburg, Werneck, Winkels, Zell und andere.

Als Zuchtziel wurde mit Ausnahme der im Spessart und Odenwald liegenden, an Hessen angrenzenden Bezirke - dort wurden weiße Ziegen gezüchtet - die hornlose, kurzhaarige, farbige Ziege gewählt, silbergrau für die Rhönbezirke, rehfarbig für die übrigen.

Körkommission des Bockmarktes Würzburg 1985LD Wellhöfer, Dr Höhne – Vet.Amt Würzburg, Züchter Ratzke, Frau Trottmann
Körkommission 1985

Die Färbung der schwarz- oder silbergrauen Rhönziege entstand durch mehr oder weniger eingestichelte weiße Haare in dem sonst schwarzen Fell. Dieser Schlag, ursprünglich als besonders kräftig beschrieben, konnte sich jedoch nicht lange halten. Die besten Böcke wurden nach Hessen oder Thüringen verkauft, die eigenen Bestände degenerierten. Als letzter Verein stellte im Herbst 1926 Stockheim im Bezirk Mellrichstadt auf den rehfarbigen Schlag um.

Während bei der Zucht der rehfarbigen Ziege in den ersten Jahren der züchterischen Bearbeitung ein großer Spielraum gelassen wurde, geht man ab 1920 auf Drängen der Stammzuchten, mehr aber noch auf Wunsch der auswärtigen Käufer dazu über, eine ganz bestimmte Färbung als „Markenzeichen" zu verlangen: ein sattes rehbraun mit Aalstrich, schwarzem Unterbauch und schwarzen Beinen.

Ehrung verdienter Mitglieder des ZZV Unterfranken 1994 (u.A. Frau Trottmann, Martin Baumbach, Frau Bötsch, Herr Pfister, Herr und Frau Ratzke, Herr Bubb, Frau Kriebel)
Ehrung verdienter Mitglieder

Vornehmlich durch Einfuhren von Böcken aus dem Harz, dann aus Oberfranken, aus Wintersheim in Hessen, aus der Traunsteiner Gegend und aus dem Schwarzwald suchte man die eigenen einheimischen Ziegen zu verbessern. Schließlich wurden 8 Böcke aus der Schweiz eingeführt, die die Zucht entscheidend voranbrachten. Die Blutlinien dieser Böcke ließen sich über mehrere Jahrzehnte verfolgen.

Für die weißen Ziegen gründete man später im Bereich des Tierzuchtamtes Aschaffenburg einen eigenständigen Verband, der zunächst vor allem durch die damals führenden „Starkenburger Ziegen" beeinflußt wurde. Bis November 1985 behielt dieser Verband seine Eigenständigkeit, am 16.11.1985 wurde er dann mit dem , „größeren Bruder" in Würzburg zusammengeführt.

Zuchtziegenmarkt in Ansbach 2009
Zuchtziegenmarkt in Ansbach 2009

1920 wurden die Herdbuchkörungen neu aufgenommen, eingetragen sind ins Unterfränkische Herdbuch bis Ende 1926 548 Tiere. Bis 1950 steigt die Mitgliederzahl auf 456 Züchter mit 707 Tieren, danach folgt ein kontinuierlicher Rückgang: 1955 - 375 Mitglieder mit 473 Tieren, 1961 - 231 Mitglieder mit 190 Tieren; der Tiefpunkt war 1974 mit 28 Mitgliedern und 36 Tieren erreicht. Zu Beginn der 80er Jahre entdeckte man die Ziegenhaltung neu. Leider liegt Unterfranken nicht im Einzugsgebiet einer Ziegenmilch verarbeitenden Molkerei. Deshalb konnten die Bestandszahlen der südbayerischen Verbände nicht erreicht werden. Mit rund 300 Milchziegen unter MLP sind heute einige engagierte Direktvermarkter aktiv.

Langjähriges Rückgrat des Verbandes waren die Bockmärkte; zunächst in Münnerstadt, ab 1929 in der Frankenhalle in Würzburg. Bis zum Zusammenschluß mit den übrigen fränkischen Verbänden zum gemeinsamen Markt in Bamberg ab dem Jahr 1987 wurden 74 rein unterfränkische Absatzveranstaltungen abgehalten. Rekordverdächtig ist dabei der Würzburger Markt von 1948: dort wurden 204 Jungböcke zu einem Durchschnittspreis von 205 DM verkauft. Auch die Jahre 1955 mit 155 verkauften Böcken und 1955 mit 136 abgesetzten Tieren sind bemerkenswert.