Tuberkulose bei Ziegen

Dr. Ursula Domes
Fachtierärztin für Kleine Wiederkäuer, TGD Grub

Aufgrund der aktuellen Fälle von Rindertuberkulose im Allgäu stellt sich die Frage über Tuberkulose bei Ziegen.

Die Tuberkulose beim Rind wird meist durch Mycobacterium bovis oder M. caprae (alle aktuellen Fälle) und bei Ziegen meist durch M. caprae verursacht. Vor 1997, als Deutschland noch nicht Rindertuberkulosefrei war, steckten sich die Ziegen häufig von den infizierten Rinderbeständen an. So waren in positiven Rinderbeständen 10-20% der dort gehaltenen Ziegen positiv, in negativen Rinderbeständen reagierten nur 1% der Ziegen positiv auf den Tuberkulintest (Bostedt und Dedie, 1996). Die Ansteckung erfolgt jedoch auch über Wildtiere wie Dachse oder Rotwild. Beim Rind ist die Erkrankung anzeigepflichtig und wird mit der Tuberkulose Verordnung, zuletzt aktualisiert am 15. März 2013, geregelt. Dabei ist der Rinderhalter gefordert, dass seine Tiere nicht in Kontakt mit infizierten oder verdächtigen Menschen oder Tieren kommen. (Rind siehe auch www.bfr.bund.de)

Auch Menschen können sich durch M. caprae anstecken, jedoch werden nur 1% der menschlichen Infektionen durch Tiere verursacht und stammen dabei meist vom Rind und nicht von der Ziege (Prodinger et al., 2002, Indra et al., 2012). In anderen Ländern wie Indien, Osteuropa und Afrika ist Tuberkulose noch eine weit verbreitete Erkrankung und kann bei immunschwachen Menschen zum Tod führen. Mit langen Antibiotikagaben kann die Tuberkulose beim Menschen heutzutage recht gut behandelt werden.

Die Mykobakterien werden meist durch Tröpfcheninfektion übertragen, d.h. ein Tier oder Mensch hustet und in den kleinen Tröpfchen kann sich der Erreger noch stundenlang in der Raumluft halten. Dieser kann dann jahrelang abgekapselt z.B. in der Lunge bleiben, ohne dass das Tier ansteckend ist. Erst bei der sogenannten offenen Tuberkulose scheidet das Tier über das Bronchialsekret Erreger aus, die dann per Tröpfcheninfektion auf andere Tiere übertragen werden. Jedoch siedelt der Erreger sich auch im Euter an und kann über die Milch übertragen werden. Unpasteurisierte Milch oder rohes Fleisch sind dann für Menschen die Hauptansteckungsquelle. Nach Pasteurisierung oder bei Rohmilchkäsen mit über 120 Tagen Lagerung ist hingegen keine Ansteckung zu erwarten. Auch UV-Licht zerstört den Erreger.

Beim Schaf oder Ziege werden meist erst bei der Schlachtung oder Sektion die Tuberkel in den Lunge, Leber oder Lymphknoten gefunden. Klinische Anzeichen sind auch unspezifische wie Abmagerung, chronischer Husten, Milchleistungsrückgang oder Durchfall.

Die Vorschriften für die Erzeugung von Lebensmitteln wie Milch sind unter anderem in der Verordnung 853/2004 beschrieben. Dabei müssen Ziegen, die Milch liefern oder zusammen mit Rindern gehalten werden, per Tuberkulinprobe in einer Hautfalte getestet werden, dies ist auch Bestandteil der CC-Vorschriften. Bei Schafen wird eine Injektion der Testflüssigkeit in das Augenlid oder Schwanzhautfalte beschrieben. Wenn die Injektionsstelle anschwillt, kann man sagen, dass das Tier schon einmal Kontakt mit den Tuberkuloserregern hatte. Bis ca. November 2013 ist in Deutschland kein Tuberkulin für Schafe und Ziegen lieferbar und so müsste, wenn es benötigt würde, das Tuberkulin für Rinder über die Veterinärämter per Sondergenehmigung bestellt werden.
Für häufige Verwirrung sorgt die ähnliche Namensgebung mit Pseudo- und Paratuberkulose. Pseudotuberkulose wird durch Corynebacterium pseudotuberculosis verursacht und es entstehen Abszesse der äußeren und inneren Lymphknoten bei Ziegen oder Schafen. Die Paratuberkulose ist eine Erkrankung von Rind, Schaf und Ziege, ausgelöst durch Mycobacterium avium subsp. paratuberculosis und verursacht chronische Abmagerung, teilweise Durchfall und ist bei toten Tieren in vergrößerten Lymphgefäßen und verdickte, teilweise gehirnwindungsähnliche Falten der Darmschleimhaut sichtbar. Bei diesen beiden Erkrankungen erforscht der Tiergesundheitsdienst vermehrt das Vorkommen in Bayern und bietet im Fall von Pseudotuberkulose zusammen mit dem Ziegenverband seit fünf Jahren ein Monitoring der Bestände an.

(15.04.2013)

 

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