Würmer bei Ziegen - Die gezielte Entwurmung als zeitgemäßer Lösungsansatz

Dr. rer. biol. vet. Miriam Scheuerle,
Labor ParaDocs, Münchener Str. 101, 85737 Ismaning, www.laborparadocs.de
Ehemals: Vergleichende Tropenmedizin und Parasitologie, Veterinärwissenschaftliches Department, Ludwig-Maximilians-Universität München.

Gezielte Entwurmung als Chance gegen zunehmende Resistenzen der Würmer

Alle Ziegen und Schafe, die auf die Weide dürfen, haben Würmer. Ein Problem wird dies aber erst, wenn der Befall zu stark wird oder wenn die Würmer aufgrund von Resistenzen nicht mehr auf eine Behandlung ansprechen. Leider werden gerade bei kleinen Wiederkäuern in der letzten Zeit immer öfter Fälle von Resistenzen der Magen-Darm-Würmer gegen Wurmmittel bekannt. Um eine langfristig effiziente Haltung von Kleinwiederkäuern zu gewährleisten, dürfen Wurmmittel nicht mehr als einfache Routinelösung ohne Kontrolle genutzt werden. Die noch wirksamen und die wenigen neuen Wirkstoffe sind extrem wertvoll und müssen sinnvoll und sparsam eingesetzt werden. Deshalb werden seit einigen Jahren neue Methoden für die Wurmbekämpfung entwickelt und eingeführt.

Die Tatsache, dass meist nur 20-30% der Ziegen einer Herde tatsächlich eine Entwurmung benötigen, gibt uns einen Lösungsansatz. Internationale Experten sehen die „Gezielte Entwurmung“ als Chance gegen zunehmende Resistenzen der Würmer und als wichtigen Teil bei der zeitgemäßen Parasitenbekämpfung. Bei dieser Strategie wird nicht die ganze Herde, sondern nur die Tiere, die wirklich eine Behandlung benötigen, entwurmt, d.h. man behandelt gezielt einzelne Tiere. Um diese Tiere zu erkennen gibt es verschiedene Kriterien:

  1. Eiausscheidung (>300 EpG)
    Bei jedem Tier wird eine Kotuntersuchung mittels der McMaster-Methode durchgeführt. Nur die Tiere mit einer Eiausscheidung von >200-300 Eiern pro Gramm Kot (EpG) werden entwurmt (wie auch bei der Selektiven Entwurmung beim Pferd).
    Generell ist eine regelmäßige Kotuntersuchung mittels spezieller Verfahren (Wiederkäuerpaket: Flotation, Sedimentation und Auswanderung; hier auch Sammelkotproben möglich) wichtig, um festzustellen welche Würmer und welche anderen Parasiten im Bestand vorkommen und entsprechend zu handeln. Neben den Magen-Darm-Würmern sind vor allem Bandwürmer, Lungenwürmer und die bei Jungtieren Durchfall auslösenden Kokzidien von Bedeutung.
  2. Blutarmut (FAMACHA-Methode)
    Der Rote Magenwurm (Haemonchus contortus) saugt Blut im Darm; das führt bei starken Befall schnell zu einer Blutarmut, die u.a. in der Schleimhaut des Auges erkennbar ist. Die FAMACHA-Methode bestimmt den Schweregrad der Blutarmut durch Vergleich mit einer Farbkarte. Tiere mit Kategorie 3-5 (blass – sehr blass) werden entwurmt. (siehe Abbildung 1 und 2). Dies muss dann regelmäßig alle 2-4 Wochen bei allen Einzeltieren überprüft werden. Diese Methode sollte allerdings nur von geschultem Personal angewandt werden.

    Abb. 1 FAMACHA-Karte Abb. 2: Anwendung FAMACHA
  3. Durchfall
    Andere Magen-Darm-Würmer verursachen Durchfall. Die Schwere des Befalls kann am Verschmutzungsgrad in der Afterregion eingeschätzt werden. Tiere mit starker Kotverschmutzung werden entwurmt.
  4. Schlechter Ernährungs-/Allgemeinzustand
    Auch der Ernährungszustand der Tiere hat Einfluss darauf, wie gut sie einen Wurmbefall vertragen. Umgekehrt wirkt sich ein starker Befall natürlich auch auf den Zustand des Tieres aus. So kann auch die als Kriterium dienen: magere Tiere mit schlechtem Ernährungszustand und struppigem Fell werden entwurmt. Hier sollte man sich aber von einem Tierarzt unterstützen lassen und trotzdem die vorkommenden Parasitenarten im Bestand durch Kotproben abklären.

In Beständen mit intensivem Management und guter Überwachung von Wachstum/Gewicht oder Milchleistung können diese zusätzlichen Kriterien zur Entscheidung, ob entwurmt werden soll, herangezogen werden:

  1. Mangelnde Gewichtzunahme
    Tiere mit schlechtem Wachstum oder mangelnder Gewichtszunahme (z.B. Kümmerer) werden entwurmt.
  2. Abfall der Milchleistung
    Tiere, bei denen ein Rückgang der Milchleistung beobachtet wird, werden entwurmt.

In Absprache mit einem Tierarzt oder einem Fachberater kann für jeden Betrieb eine sinnvolle Kombination der oben genannten Kriterien erarbeitet werden.

Das gezielte Entwurmen (laut Experten benötigen Ziegen häufig die doppelte Wiederkäuer-Dosis!) mit Hilfe der Kriterien führt zu einer deutlichen Reduzierung der Entwurmungshäufigkeit, d.h. den Tieren werden unnötige Entwurmungen erspart, es entstehen keine unnötigen Kosten und keine unnötige chemische Belastung der Umwelt. Gleichzeitig werden die Würmer nicht an die Wurmmittel gewöhnt. Die Wurmmittel bleiben so länger wirksam.

Das Wichtigste in Kürze:

1. Resistenzen der Würmer auf Wurmmittel werden häufiger
2. Nur 20-30% einer Ziegen- und Schafherde brauchen eine Entwurmung

- Viele Entwurmungen lassen sich einsparen
- kein unnötiger Gebrauch von chemischen Stoffen
- Reduzierung der Kosten

3. Grundlagen des gezielten Parasitenmanagements:

  • Erfassung der Parasitenpopulation/-arten (diagnostische Kotuntersuchung), d.h. welche Würmer kommen vor?
  • Erfassung des Resistenzstatus (Eizahlreduktionstest nach Entwurmung), d.h. welches Wurmmittel wirkt noch?
  • Angepasstes Weidemanagement 
  • richtige Dosierung (Ziegen doppelte Wiederkäuer-Dosis)
  • Quarantänemaßnahmen bei Zukäufen (Keine Einschleppung von resistenten Würmern!)
  • Gezielte Behandlung von Einzeltieren oder Herdgruppen anhand von klinisch-diagnostischen Kriterien

Parasitendiagnostik

Das Labor ParaDocs in Ismaning bei München bietet allen Tierärzten und Tierhaltern die Möglichkeit Proben von Klein- und Großtieren auf Parasitenbefall untersuchen zu lassen.

Methodenspektrum Parasitenuntersuchung für Kleinwiederkäuer im Labor ParaDocs:

  • Kombipaket-Wiederkäuer: Flotation, Sedimentation, Auswanderung (mind. 50 g Kot): Untersuchung auf Magen-Darm-Würmer, Kokzidien, Leberegel und Lungenwürmer;
  • Quantitativer Nachweis von Parasiteneiern/Oozysten (McMaster-Methode: Eizahl pro Gramm Kot);
  • Eizahlreduktionstest (McMaster-Methode jeweils vor und 10-14 Tage nach Entwurmung): Resistenztest;
  • Koprokultur zur Bestimmung von Nematodenlarven (mind. 50 g Kot, Dauer 12 Tage);
  • Nachweis von Haemonchus contortus-Eiern (Fluoreszenzmethode);

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